Tuesday, February 14, 2006

Noch 15,5 Stunden

Romantik auf Knopfdruck. Rosen per Fleurop, schnell noch einen Tisch in irgendeinem Kerzenscheinrestaurant reservieren, damit die Liebste nicht beleidigt ist. Denn Valentinstag hat Einzug gehalten, im Radio quatschen irgendwelche grenzdebilen Moderatoren seit sechs Uhr von Liebe und Geschenken, Blumengeschäfte sind mit Herzen vollgeballert und in Tageszeitungen findet man Liebesgeständnisse, die ihresgleichen suchen. Fremdschämen passt als Gefühlsbeschreibung ganz gut, wenn man folgende Namen liest:

Uli-Stupsi, knups-Maus, Helli-Maus, Schnitzel, Bimmelz, Trottelchen, Wildkätzchen, Knuddelhoops, Nacktfrosch


Auch etwas Drama ist dabei, diese Anzeigen sind alle auf ein under derselben halben Seite abgedruckt:

Liebste Uta! Wann gibst du mir endlich die erste reelle Chance? Ich vermisse dich! Der Mundtodgemachte

Uta, geliebte Traumfrau, wann befreist du mich von den schrecklichen Alpträumen. Dein Peter im Mond

Liebste Uta, eine platonische Umarmung zum Valentinstag für Dich von mir. Das Leben könnte so schön sein. Ich liebe dich. Peter

Liebste Uta, wenn du das lesen würdest, wüsstest du, wie sehr ich dich mag. Peter

Liebste Uta! Zum Valentinstag alles Liebe und Gute! Ich mag Dich sehr! Peter. Bitte nimm meine Hand, mein Herz hast du schon.

Und dann noch:

Liebe Uta, ich mag dich und freue mich auf unser verspätetes Candlelight-Dinner am 25. Feb. 2006. Ganz liebe Grüße. Peter


Liebe Uta, wenn du da hingehst, dann ein kleiner TIpp: Treffe dich nur an einem öffentlichen und belebten Platz, sag einem Freund, wo du bist, mach mit ihm aus, dass du dich jede volle Stunde bei ihm meldest, und wenn du das nicht tust, dann soll er die Polizei vorbeischicken.

Monday, February 13, 2006

Die Wahrheit

Opa zur 6jährigen Enkelin: „Und - was machen wir beiden Hübschen jetzt?"
Enkelin, grinst etwas verlegen, guckt woanders hin:„Mmmh."
Opa: „Was ist? Findest du dich nicht hübsch?"
Enkelin, grinst jetzt breit, kichert: „Dooooch ... Aber dich nicht."

Friday, February 10, 2006

Vor 25 Jahren



Mein Opa Billie kommt auf das Gartentor zu, wie der Sand unter seinen Lederschuhen knirscht, höre ich genau - und ich mag das Geräusch. So klingt das unter seinen Schuhen immer, es hat etwas Beruhigendes. Bei allen Schuhen, die ich besitze, habe ich angestrengt gelauscht, doch dieses leise Knirschen wollte sich unter meinen Sohlen nie einstellen.

Mit einem verschmitzten Lächeln steht er dort auf der anderen Seite des Holzes, eine Hand hinterm Rücken. Meinen Plastikball lasse ich fallen und laufe auf ihn zu. Langsam zieht er den Arm nach vorn und da liegt sie: meine erste Platte!
ORS, „Lady Lady Lady". Ich umarme Billie und laufe mit meinem Schatz, hüpfendem Herzen und roten Wangen ins Haus: „Mamaaaa!"

Einen Plattenspieler kann ich noch nicht bedienen, ich bin erst Fünf, aber meine Eltern sind auch beim sechsten Mal geduldig und hören meinem begeisterten Singsang zu, der Text im Refrain ging ungefähr so:

Sie:
„Er ist so nett, doch vielleicht zu jung für mich. Aber ich mag, ich mag die Art so wie er spricht. Ich glaub', wir würden - uns gut versteeeeehn"
Er:
„Lady Lady Lady Lady Lady, Lady Lady - lass mich Deine Träume sehen"
Sie:
„Uala, lala, lala lalahaaa"
Er:
„Lady Lady Lady Lady, Lady Lady - lass Dich geh'n"
Sie:
„Uala, lala, lala lalaaaa"

Und dann kommt eine Zeile, die man kaum versteht, weil der Sänger sie höher kreischt als Robin Gibb es je getan hat.
Eine schräge Mischung aus Dschingis Khan und Bee Gees, das trifft es. Orlando Riva Sound - man beachte bitte den extraordinären Goldanzug des Herren in der Mitte - und die Siegerpose, in dem er der Sängerin seinen Fuß auf das Knie stellt. Tsss.

Ich muss nicht erwähnen, dass ich den Text damals inhaltlich nicht wirklich erfasst habe - und dass ich das Lied noch immer gern höre. Das ist ein wirklich schlimmes Lied, aber diese nostalgischen Verblendungen aus der Kindheit wird man nie mehr los. Und ich wehre mich nicht dagegen, „Lady Lady Lady Lady, Lady ...".

Wednesday, February 08, 2006

Noch 1 Mal und ich ...

Eine unterhaltsame Rossini-Oper läuft gerade 100 Meter Luftlinie vor mir über die Bühne, ich lehne mich in meinem unbequemen Samtsitz zurück und bin rundum friedlich.
Plötzlich keucht es knapp hinter meinem linken Ohrläppchen.
Hüsteleien, ich bitte Euch, darüber guckt man mit einem kleinen Lidflattern hinweg. Doch dieses Keuchen steigert sich in ein Gegurgel, wie die kleinen Plastikmundsauger beim Zahnarzt machen. Langsam steigt mir etwas Hitze hoch, mein Kopf zuckt ein bisschen nach links. Und dann tönt träge Schnodderei durch die nächsten 60 Sekunden.

Drei Sekunden Pause.

Dann blubbert es von unten hoch. Schnieft. Und schnoddert wieder. Er zieht hoch! Der Opa hinter mir zieht schamlos und mitten in einer Arie zwei Pfund Schleim hoch, lässt wieder runterlaufen, um ihn dann mit einer Vehemenz erneut hochzureißen, mit der Ameisenbären sonst Hügel aussaugen.
Nach dem sechsten Mal laufen meine Ohrenspitzen rot an, meine Hand liegt auf der Tasche, in der sich leider keine 9 mm Halbautomatik befindet, sondern eine Packung Taschentücher. Warum sagt seine Frau denn nichts??? Was ist denn das für eine belästigende Ignoranz und Ekelhaftigkeit??? Und wie läuft das denn dort zu Hause ab? Leute, die bei solchen Geräuschen abgestumpft ausblenden, die gucken sich doch auch beim Scheissen zu!

Und dann Applaus und ein letzter kräftiger Zieher. Stille hinter mir. Kurz drehe ich mich um, um zu sehen, ob er sich eventuell das Hirn an der Schädelrückwand platt gesaugt hat, doch er sitzt zufrieden und aufrecht und applaudiert. Fast wäre ich Teil der Ungeduldig & Jähzornig-Bewegung geworden. Das war knapp. Sehr knapp.








Song des Tages: K‘s Choice, „Not An Addict"

Tuesday, February 07, 2006

Das Ende

Wenn ich in einen Kinofilm gehe, um mit einer Freundin ein bisschen in seichter Unterhaltung zu planschen, dann brauche ich verdammt noch mal ein Happy-End! Und dann sitzen Jessica und ich da, gucken Uma Thurman und ihrer jungen Schnitte beim Poppen zu, lachen über Meryl Streep und leiden und juchzen leise vor uns hin - in dem festen Glauben, dass alles sehr gut wird. Und? Sie lieben sich, aber sie können nicht. Abspann.
Da kann ich nicht drauf. Da kann ich wirklich gar nicht drauf. Das ist wie Marsriegel hinhalten, einmal dran lecken lassen und wieder wegziehen. Das ist mies.

Wo ist mein Dienstagshappyend? Nicht einmal irgendein Film mit perfektem Ende will mir jetzt einfallen ...

Song des Tages: Led Zeppelin, „Hey Hey What Can I Do"

4 Tage

Bis diese grässliche Woche zu Ende ist. Grau, Schneematsch, Grau, Regen, Grau. Lustig ist das doch nicht mehr. Gestern mit dem Fahrrad fast auf‘s Gesicht gepackt, da die Thadenstraße so vereist war, nasse Jeansbeine, eiskalte Finger in dicken Handschuhen. Fiese kleine Meckermonster laufen durch meine Nervenbahnen, zerren daran herum und zertrampeln meine Neurotransmitter - das macht maulig und ungerecht.

Das einzig Interessante, was dieses Wetter irgendwann zwangsweise mit sich bringt, ist die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Und obwohl ich zu der Spezies gehöre, die unfreiwilligen Körperkontakt aufgrund von Platzmangel quälend findet, beobachte ich fasziniert das Drumherum: Menschen, die mit sich selbst sprechen - da höre ich gern zu, vielleicht haben sie sich ja spannende Dinge zu erzählen. Frühsport an „Wir trennen Müll"-Behältern - ein Bein rauf und Dehnungsübungen andeuten - da gucke ich gern zu, vielleicht lerne ich noch etwas?
Nur wenn jemand wie festgeschraubt neben mir steht und mir die ganze Zeit mit einem nicht zu deutenden Ausdruck ins Gesicht starrt, da gehe ich lieber weiter.
In diesem Stadtteil gibt es eben doch noch mehr Drogen als Dönerbuden.

Song des Tages: Black Rebel Motorcycle Club, „Ain‘t No Easy Way"

Monday, February 06, 2006

Fragezeichen

Ein Wochenende offline, leichte Entzugserscheinungen stellen sich ein. Könnte auch mit der ungewohnt heftigen Sauerstoffzufuhr durch gestriges Joggen in den Wallanlagen zu tun haben. Egal, hier der Fragebogen von Matt und Mek:

Vier Jobs die ich mal hatte:
# Eisverkäuferin
# Fließband-Warenrücknahme beim Otto-Versand
# Flohmarktordner
# Kellnerin

Vier Filme, die ich mir immer wieder ansehen kann:
# König der Fischer
# Rocky IV
# Wie im Himmel
# Italienisch für Anfänger

Vier Städte in denen ich gelebt habe:
# Hamburg
# Amsterdam
# München
# Hamburg

Vier TV Shows die ich liebe:
# Genial daneben
# NDR-Talkshow
# Desperate Housewifes
# und mehr fällt mir nicht ein

Vier Plätze an denen ich Urlaub gemacht habe:
# Kaua'i (Hawaii)
# Amsterdam
# Laboe
# Seattle

Vier Sachen, die ich gerne esse:
# Nudeln, in jeder Form und Farbe
# Schokolade
# Bananenbrei
# Käse

Vier Seiten, die ich täglich besuche:
# Die Rückseite der Reeperbahn
# Joshuatree
# Mequito
# Lyssas Lounge

Vier Plätze, an denen ich jetzt lieber wäre:
# links von der Sonne
# rechts von der Sonne
# unter der Sonne
# am Strand in der Sonne

Vier Leute, die diese Fragen auch beantworten sollen:
# Joshuatree
# eigentlich Carlos, Cyberholic - machste sowas?
# Zahnwart
# Poldisgirl

Das war's? Das war's. Prima, ich muss los.

Song des Tages: Arctic Monkeys, „Mardy Bum"

Thursday, February 02, 2006

Song des Tages

Ganz vergessen, dabei passt er so gut:
The Presidents of the United States of America, „Naked And Famous"

1 Monat ohne Promille


Und ich läute alkoholfreie Wochen ein ...