Monday, January 22, 2007

Verhornt und zugeschnitten

Es gibt Dinge im Leben einer Frau, die sie immer wieder beschäftigen: Wo bleibt der richtige Kerl, wie kriege ich das mit dem Weltfrieden hin, woher bekomme ich mehr Schlaf, welche kalorienarme Frühstücksvariante zum Nutellabrötchen gibt es, was lese ich als nächstes, rot oder weiß, wo kann man Stiefel kaufen, in die auch meine Waden passen? Die wichtigste aller Fragen aber ist: Was mache ich mit meinen Haaren? Haare - ein Thema ohne Punkt
Lang, kurz, blond oder blonder, wild und lockig oder adrett geschnitten? Nachdem ich als Baby mit recht spärlichem Haarwuchs auf die Welt kam, band mir meine Mutter für Pixifotos ein Kopftuch um, um meinen kahlen Schädel zu bedecken. Glatze fällt im Frisurenreigen also weg.


Es folgten lange Haarjahre, niedlich, mit Pony.
Mit acht Jahren trug ich lieber Trainingsjacken und fand Mädchengehabe irgendwie doof, also musste der sportliche Kurzhaarschnitt her. Sah dann auch so aus. Furchtbar. Im Urlaub auch gern mal punkig.
Ein harmloser Pagenkopf begleitete mich etwa zwei Jahre bis ins zwölfte Lebensjahr, dann züchtete ich wieder. Und war tussimäßig stolz auf meine schönen langen Haare.
Schwer beeindruckt von der Roten Zora, wünschte ich mir Haare wie sie - feurig und wild! Verwirklicht habe ich diesen Wunsch erst mit 22, der Frisör sagte, diese Pflanzentönung wäre leicht herauszuwaschen. Der Drecksack hat gelogen. Und ich sah aus wie Milva.
Auch die Phase der unsäglichen Blocksträhnenfärbung ließ ich nicht aus.
Es folgte ein radkialer Schnitt - kurz! Ein Aufschrei ging durch den Freundeskreis, mein Vater war entzückt.

Nachdem ich wieder mit langen Haaren durch die Welt frisiere, ist mein Lieblingskommentar von männlicher Seite: „Sieht besser aus. Jede Frau sieht mit langen Haaren besser aus." Und wenn es nicht so albern wäre, aus Trotz kurze Haare zu tragen, würde ich es tun. Ob diese Herren Frauen in Hosen schon akzeptieren? Meine Güte.

So sieht die Frisur heute aus, meist gebunden.
Und immer wieder denke ich an den Kurzhaarschnitt, diskutiere mit mir im Stillen, vorm Spiegel und zucke kurz zusammen, wenn ich durch Fensterscheiben von Frisörgeschäften gucke. Und dann bin ich wieder froh, kein Geld, keine Zeit und keinen Mut gehabt zu haben. Und wieder nicht. Können Männer das eigentlich nachvollziehen? Können andere Frauen das nachvollziehen? Noch mehr von meiner Sorte müssen doch da draußen herumlaufen.

Und nun sagt mir - ihr coolen Frauen mit Stil und modernen Männer mit Eiern an der richtigen Stelle - kurz oder lang?

Sunday, January 21, 2007

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Rolli!



Viele liebe Grüße aus Hamburg nach Neuseeland!

Saturday, January 13, 2007

Haste mal

„Entschuldige, kannst Du mir mal kurz Dein Handy für einen Anruf leihen?" Weiß ich nicht. Über so etwas habe ich noch nie nachgedacht. Leiht man einem Fremden sein Handy? Erstes Gefühl: Ablehnung. Kurz zucken folgende Sätze durch meinen Kopf: „Ich habe gar kein Handy." „Mein Handy? Habe ich leider nicht dabei." „Nee, tut mir leid, der Akku ist leer." Die Sekunde, die mein Zögern dauert, ist zu lang für eine Lüge bei Tageslicht. Ich schaue dem großen Mann mit Zottelhaar und Rauschebart in die Augen, er sagt: „Ich möchte mir von jemandem ein Tenorsaxofon leihen." Ich denke: „Hach, ein Musiker. Der ist bestimmt knapp bei Kasse" und sage: „Klar, wenn's nicht zu lange dauert." Er kramt in Centstücken, ich winke ab „Nee, lass mal stecken."

Der Moment, in dem er nach meinem Mobiltelefon greift, dauert eine Ewigkeit und kurz wird mir etwas flau - wenn er jetzt damit abhaut, komme ich mit Kinderwagen nicht hinterher. Und den Wagen stehen lassen für ein Handy? Pfff.
„Ein schönes neues Jahr für Euch zwei" zwinkert er mir zu während er auf das Abheben des Angerufenen wartet. „Hallo Lucas, hier ist Tom." Tom. Mädchenmäßig denke ich, dass das Schicksal sein muss. Nur nette Menschen können Tom heißen. Und überhaupt - wie war das? „Wo Menschen singen, da lass Dich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder."

Kurz klärt Tom mit Lucas das Thema Saxofon, ich fühle mich unglaublich großzügig und denke, dass alle Menschen etwas lockerer sein sollten. Einfach mal teilen, einfach mal weniger Spießer sein. Dann schaue ich auf seine Hände und sehe Ränder. Lange Nägel und noch mehr Ränder. Die Haare sehen auf einmal fettiger aus also noch vor drei Minuten und der Bart nicht lang, sondern ungepflegt. Das Handy bekomme ich mit einem Dankeschön zurück. Zuhause greife ich mir die Flasche Sterilium und verpasse meinem Telefon eine Abreibung. Bin eben doch ein Spießer.