Tuesday, June 26, 2007

Die dicken Kinder von Scheeßel

Ich bin zu alt für diese Scheiße. Ich bin zu nüchtern für diese Scheiße. Schlammacker so weit die Schnapsflasche fliegt, Herden von stinkbesoffenen Menschen mit schlechten Witzen am Körper wie Lockenperücken, Urinbeuteln oder T-Shirts mit Sprüchen. Auf einem Schild an einem Stand: „Mann mit Pferdeschwanz gesucht. Frisur egal." Zwei Drittel der Mädels und Jungs scheinen knapp volljährig zu sein und haben es schon zu Bierbauch oder Weinwanne gebracht. „Mein Gott, sind die fett und voll, wie kann man denn hier barfuß herumlaufen?“ „Das haben wir vor zehn Jahren auch so gemacht. Vollaufen lassen und irgendwann die Schuhe ausgezogen.“ „Ach ja. Stimmt. Aber der Bierbauch, der kam erst später.“

Incubus spielen, dass man am liebsten herausbrüllen möchte, wie geil diese Band doch ist! Ich stelle fest, dass mir Sänger Brandon Boyd fast zu schön ist. Um uns herum - 60 000 oder sind es doch 80 000 Menschen? Auf einer Fläche, die nur geringfügig vergrößert wurde, die früher mit 14 000 Menschen angenehm gefüllt war. Wir stehen 150 Meter entfernt von der Bühne, nach vorne ist kein Durchkommen, Wellenbrecher schützen vor Massenquetsche und etwas einfältig dreinguckende Securitymänner lassen nur vereinzelt durch eine Gasse Richtung Bühne. Weil alle ganz nah ran wollen, erdrücken sich die Leute vor dieser Schranke fast. Aber wichtig, wichtig – immer nur ein paar dürfen durch. Als Fußvolk hat man den Eindruck, dass die VIP-Bändchen durchmarschieren, Reihe 1-29 besetzen und der Rest muss leider ab der dreißigsten Reihe Platz nehmen. Ohne Knochenbrüche und Hautkrankheiten also keine Chance, ein wirkliches Konzerterlebnis zu spüren.
Videoleinwände haben wir dafür. Damit man sicher sein kann, dass die Punkte auf der Bühne keine Coverband sind.

Ich stelle fest, dass mir Brandon Boyd doch nicht zu schön ist. Dann fallen die Leinwände aus. Wir prügeln uns durch die Reihen, um zur dritten Wand im hinteren Bereich zu kommen. Dort stehen wir fröstelnd im Schlamm – und gucken Video.
Es frustet mich zutiefst, wenn ich bei einer meiner Lieblingsbands nicht in der Menge sein kann, nicht springen, singen und vor allem was sehen kann. Wir gehen. Marilyn Manson muss ohne uns zurechtkommen.

Thursday, June 21, 2007

Hauptstadtnächte reloaded

Mit einem Stück Metall an die Wand drücken, mit einem lauten Knall erschlagen, möglichst schnell kalt machen. Sie versucht, den Kaffee umzubringen. Mit Umrühren hat das hier jedenfalls nichts zu tun.
Nach vier Stunden Schlaf verknoten sich bei mir Neuronenketten, wenn ich unsanft geweckt werde. Dass wir „eventuell morgens etwas von der Küchen hören könnten“ ist nicht ganz richtig – „Ihr werdet definitiv aus dem Bett geschossen“ wäre die Wahrheit gewesen.

In Berlin angekommen, stellen wir freudig fest, dass die Unterkunft in Kreuzberg auf den ersten Blick weniger skurril gewählt ist als die letzte. An der Rezeption dann: „Ihr müsst durch die Küche durch, wenn Ihr in Euer Zimmer wollt“ – sofort stellt sich vor dem geistigen Auge folgendes Bild ein: Küchentür auf, durch die Küche durch, 2. Küchentür auf, raus aus der Küche, im Gang stehen, Zimmertür auf.
Die Realität hat nur zwei statt drei Türen: Küchentür auf, durch die Küche, Zimmertür auf. Um zum Klo zu kommen: Zimmertür zur Küche auf, einen Schritt nach links, Klotür auf. Bedeutet also, dass die internationalen Gäste dieser Backpackerunterkunft zweimal in den Genuss kamen, uns in frühmorgendlicher Schönheit zu betrachten.

Aber zurück zum Freitag. Die Zugfahrt mit K., die mich später mit der Info beeindruckt, dass sie mal Schlagzeugerin in einer Punkrockband war, und Freundin Sandra düst nur so durch, Berlin empfängt uns mit Sonnenschein, netterweise werden wir von A., die eigentlich nur K. abholen wollte, zum Hotel gefahren.
Abends Vietnamese und Privatparty im Mauersegler. Zwischen Guns’N’Roses und Nelly geht um zwei Uhr die Welt unter, aus dem Taxi steigen wir barfuß und laufen zum Hotel. Langsam knacken die Lungenbläschen wieder auf, die Dusche spült den Qualm und ein halbes Promill ab, das Bett fühlt sich großartig an, der Schlaf klopft, tritt ein und macht sich schnell breit.
Geweckt von dem lieblichen Geräusch besagter Kaffeekillerin, möchte ich den Kopf rausstecken und ihr „Bitte zweimal mit Milch“ zurufen, doch meine Füße fühlen sich an, als wären vier Bierflaschen darum geschnürt.

Wir verdösen den Morgen und gehen frühstücken, ich weiß nicht mehr, wie der Laden heißt, aber es gibt großartiges Frühstück dort. Kreuzberg, ums Eck vom Görlitzer Bahnhof. Bis halb Zwei schlagen wir uns die Bäuche voll und schlendern – wieder bei Sonnenschein – Richtung Hackescher Markt. Und was tun Frauen, wenn sie frei und eine gedeckte Kreditkarte haben? Sie kaufen Schuhe. Klischee erfüllt.
Die Tussis mit Schuhen fahren ans Spreeufer Nähe Ostbahnhof und essen in der Strandbar 25 in der Abendsonne.

Zackozack zurück in die Küchenstube, umgezogen und abfahrbereit werden wir zur Cateringparty abgeholt, die zwei neue Cateringwagen einweihen soll. In Charlottenburg auf einem kargen Hallengelände angekommen, stöckeln die ersten Hasen an uns vorbei, Brüste unters Kinn geschnallt und Gesicht so bis zur Unkenntlichkeit maskiert, dass Marilyn Manson ihnen den Schminkkoffer klauen würde. Aber schicke Kleider haben sie an - und warum sollte man Knöpfe an einem lauen Sommerabend auch zumachen? In Schwung kommt die Party nicht. Die halbseidene Hälfte der Gäste tanzt irgendwann zu stampfenden Beats, 80 Jahre Knast auf fünfzig Quadratmetern, die andere Hälfte isst sich durch die Cateringwagen und wir brechen um halb Eins auf.

Das Kiki Blofeld ist ein, ein - liebe Berliner, mir fehlen die Worte. Es gibt wirklich nicht sooo viel, worum ich Euch beneide, aber unter Deck an einem Bootsanleger mit Wind im Gesicht zu „Wir sind Soul“-Musik zu tanzen, mit Schummerlicht und Wasserplätschern – das ist schon ganz ganz groß. Wäre ich Berliner, ich wäre jeden verdammten Tag dort.

Heute will das Bier nicht, aber tanzen geht immer. Um drei Uhr liegen wir wieder in den Betten, entschlummern mit der sanften Hoffnung, dass die brutale Kaffeefrau auch mal ne heiße Nacht hatte.

Unsere Hoffnung kann erhört worden sein, erfahren werden wir es nie. Um halb Acht stürmt ein anderes Kommando die Küche – Schränke knallen, Rührei machen, Brot schmieren, Saft trinken – wer kann es am lautesten? Aaaaah. Ich stopfe mir Taschentücher in die Ohren und werde erst um viertel vor Zehn wieder wach, 15 Minuten reichen zum Packen, Duschen und Auschecken.

Nach einem gemütlichen Frühstück in großer Runde ein Blitztreffen mit der Spreepiratin, was sehr nett aber leider viel zu kurz ist, da wir zum Zug müssen.


Ersten Teil verpasst? Guck mal hier.
Drehtermin „Hauptstadtnächte 3. Teil“ (AT): voraussichtlich 2008

Küchenzimmer, aber mit Balkon!




Prost, Berlin!




Bar 25








Klokombüse. Links Jungs, rechts Mädchen




An der Spree I




An der Spree II




„Lebensfroh". Klingt in diesem Fall bedrohlich.




Das Unwetter des Monats. Nachts um Vier barfuß ausm Taxi




Ganz tolle Ladennamen





Friday, June 08, 2007

Teig im Kopf

Vielleicht liegt es daran, dass ich albern bin, immerhin steht ein leeres Martiniglas vor mir. Vielleicht liegt es auch daran, dass diese Werbung einfach albern ist. Am schlimmsten finde ich gar nicht die Überschrift, sondern den ganzen Mist, der kleingedruckt ist: „Mühe allein genügt nicht“ und: “Die steht wie eine Eins. Und sieht auch nach dem Anschnitt noch akkurat und lecker aus.“ Akkurat. Hallo? Derjenige der das verbockt hat, verdient ein paar hirnaktivierende Schläge. Welche Werbeagentur hat eigentlich Hansano als Kunden? Oder läuft das firmenintern?




So kann ich das für heute nicht stehen lassen. Hier noch drei Videos von einer der wohl besten Bands aller Zeiten:







Tuesday, June 05, 2007

Kniet nieder!

Live am Fernseher habe ich mitverfolgt, wie Tausende die Beine beugten, um auf Kommando hochzuspringen und durchzudrehen. Beatsteaks! Was für ein Auftritt! Und ich sage Euch, am Nürburgring war ich zwar nicht, doch ich habe DAS HIER bekommen:




Wichtig, wichtig: Ihr Berliner - was geht vom 15. bis 17. Juni in Eurer Stadt? Was darf man nicht verpassen?
Hauptstadtnächte reloaded stehen auf dem Programm!!