Sunday, October 21, 2007

Unerträglich

Der Typ sitzt hinter mir am Tisch in einem italienischen Restaurant und palavert seinen Untergebenen voll. In zehn Minuten in mehr als hörbarer Lautstärke folgende Begriffe unterzubringen, ist fast schon ein Talent: Ich, ich, ich, Manager, Künstler, Ausstellung, Auftrag, Spiegel-TV, meine Handy-Nummer, keine-Ahnung-woher-die-die-hatten, Naja, Huskie-Schlitten, süße Stimme, eine meiner Affären, Kohle, Auftrag, Macher, geht klar, italienisch? Ach, ein bisschen, Italiener trinken ja nie doppelten Espresso, "irgendwas auf italienisch gesabbelt", Auftrag, Kohle, Ciao!

Unerträglich. Ich könnte kotzen, wenn ich solche Selbstdarsteller erlebe. Und bin zeitgleich gruselig amüsiert. Da muss ich mich wohl irgendwann mal entscheiden.


Unerträglich II: Umziehen. Ich möchte die nächsten 27 Jahre keine einzige Umzugskiste mehr packen und nie wieder mit mehr als fünf Kilo in der Hand eine Treppe hinuter- oder hinaufgehen müssen. Ich bin durch. Aber bald ist es geschafft.

Unerträglich III: Offline sein. Vom World-Wide-Web bin ich ab jetzt bis mindestens 3. November abgeschnitten. Macht's gut.

Wednesday, October 03, 2007

Gib Gas, Udo!

Mit Nebenhöhlenentzündung und kurzer Lunte schiebe ich mich im Feierabendverkehr vorwärts. Das Chaos rollt wie immer am Dammtor. An der Uni vorbei löst sich der Knoten endlich und die Fahrbahn zeigt sich dem schummerigen Abendhimmel. Jetzt nur noch geradeaus, Linksabbieger, L-i-n-k-s-a-b-b-i-e-g-e-r, LINKSABBIEGER!!! GRÜNER PFEIL!!! Mann, fahr ZU! Vor mir schleicht ein fetter schwarzer Schlitten auf die Ampel zu, die man zügig passieren sollte.
Langsam, immer langsamer fährt er, als würde er viel lieber einen hübschen gelben Pfeil begrüßen statt eines grünen.
Im Übrigen sind das meist die Deppen, die beim Ampelumsprung plötzlich entdecken, dass ihr Gaspedal mehr zulässt als 39 km/h.

Ich habe keinen Bock mehr, ich will nach Hause. Zügig fahre ich auf Ampel und Auto zu, drücke entnervt auf die Hupe. Bepöbelung inklusive. Auf die linke Spur gewechselt, möchte ich mir den Nixblicker natürlich angucken, schiele nach rechts und sehe einen vorgeschobenen Mund, eine Sonnenbrille, einen schwarzen Hut. Einen Typ, der definitiv aussieht, als wenn bis Drei zählen bei ihm bis Zehn dauert. Oh, das ist ja Udo. Udo Lindenberg nölt sich durch den Hamburger Stadtverkehr. Bei der Baustelle lasse ich ihn vor, ich ahne: Künstler haben ihre Initialen als Nummernschild. UL. Alles klar. Oder doch nicht? Vielleicht ein Doppelgänger? Ach was. Udo, Du Schleicher. Hast eine schicke Karre. Aber nen scheiß Fahrstil.